Hanna Granz

Übersetzungen - Gutachten - Lektorat  




Beim Übersetzen entstehen sporadisch eigene Texte – zur Übung, um das eigene Sprachgefühl zu trainieren oder aus Lust am eigenen Schreiben. Lesen kann man sie hier.

Aufzeichnungen über einen sich verändernden Alltag (II)

23.02.2021
 

Der zweite Tag in Folge, an dem im Home nur noch -office und kein -schooling mehr stattfinden muss. Es ist ungewohnt still, das einzige Arbeitsbegleitgeräusch ist das Knistern des Feuers im Küchenofen. Die Stimmung ist – vielfältig. Bei den Kindern große Freude, vielleicht sogar Glück, weil sie endlich ihre Freunde wiedersehen und in die Schule gehen können, beziehungsweise in den Kindergarten. Bei den Erzieherinnen trifft man dagegen eher auf mulmige, skeptische Gefühle. Alle hoffen und bangen, dass dieser Öffnungsschritt gutgeht und ihn keiner bedauern oder wieder zurücknehmen muss. 

 

Und draußen ist Frühling, ein Temperaturanstieg um etwa vierzig Grad, zwischen Sonntag und Sonntag. In Schattenschluchten hält sich noch der Schnee, ansonsten aber sieht man Grün, Braun, Gelb und darüber den blauen Himmel. 

 

Erste Pläne werden geschmiedet. In den E-Mails vorsichtige Hoffnung auf vielleicht bald wieder mögliche Treffen. Ein Seminar im Mai? Unwahrscheinlich. Ein Sommerfest Anfang September? Vielleicht. Wir werden sehen und weiter hoffen, allen Mutanten und wenig verheißungsvollen, anderen, übleren Prognosen zum Trotz.

Großvaters Reise
„Nun ergab es sich aber, dass eine seltsame Krankheit viele Menschen überall auf der Welt befiel, weshalb das Arbeiten, Menschentreffen, Zur-Schule-Gehen und so weiter plötzlich ganz und gar verboten wurde. Dadurch hatten viele Menschen – und vor allem viele Kinder – plötzlich richtig, richtig viel Zeit. Allerdings wurde wegen der seltsamen Krankheit auch das Reisen verboten, und das Zusammentreffen von Großvätern (übrigens auch von Großmüttern) und ihren Enkelkindern ebenfalls. Sollte es denn gar keine Lösung geben?“

Ein Bilderbuch über Großväter und Enkelkinder, über Zauberei und auch ein bisschen über Corona ...

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Aufzeichnungen über einen sich verändernden Alltag
15. März bis 15. Juni 2020

 

Die Sonne scheint. Schulen und Kindergärten sind ab heute für zunächst fünf Wochen geschlossen. Im Vorbeigehen schaue ich durch das Fenster im oberen Flur, klimatisch eine Zwischenzone: Vom noch unrenovierten Dachboden, der mit einer Wolldecke vom Wohnbereich abgetrennt ist, zieht es kalt herein. Draußen ist es bereits warm, es verspricht ein schöner Tag zu werden. Anders als ursprünglich geplant, hat M. das alte, einflüglige Fenster wieder eingesetzt. Das neue hatte sich als Fehlkauf erwiesen, zweiflüglig sollte es sein, aber eben ein Stulpfenster, keines mit Mittelpfosten, bei dem der Steg so breit ist, dass man das Gefühl hat, man säße hinter Gittern. Finanziell ist der Rückbau ein Verlust, aber wir brauchen Licht. In den nächsten Monaten drohen ohnehin Freiheits-Einschnitte, was zum Zeitpunkt der Entscheidung allerdings noch nicht absehbar war. Der Blick sollte bleiben, auch von diesem Fenster aus, das im Grunde nur ein Vorbeigehfenster ist, immerhin jedoch Licht in unser nicht allzu sonnenverwöhntes Haus einlässt.

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